Neujahrsempfang des Hotel- und Gaststättenverbands Dehoga

Geschrieben von antidot | 2. März 2015 | Aktuelles, Presse / 0 Kommentare

Beim Neujahrsempfang des Hotel- und Gaststättenverbands Dehoga in Tiengen übten die Gastronomen Kritik an den neuen Kontrollpflichten – die im Zusammenhang mit dem Mindestlohn gelten. Die Deklarationspflicht für Allergene verunsichert zusätzlich. CDU-Abgeordnete mussten sich dort der Kritik stellen.

Der Frust war den 70 Gastronomen anzumerken, die auf Einladung des Hotel- und Gaststättenverbandes Dehoga zum Neujahrsempfang ins Hotel Bercher nach Tiengen gekommen waren. „Es geht uns nicht um den Mindestlohn, der seit dem 1. Januar in unserer Branche gilt“, sagte Kreisvorsitzender Hermann Pfau. „Es geht uns um die starren Arbeitszeit- und Pausenregelungen, die nicht in unsere Branche passen und auch um die bürokratischen Hürden und Kontrollen, die unsere Betriebe zusätzlich belasten.“

Schelte bekamen auch die anwesenden CDU-Volksvertreter ab, MdB Gabriele Schmidt, MdB Thomas Dörflinger und MdL Felix Schreiner: „Haben unsere Abgeordneten überhaupt gewusst, über was sie da abstimmen?“, fragte ein Gastronom aus Stühlingen. Dass dem Gaststättengewerbe die neuen Regelungen und Auflagen im Zusammenhang mit der Einführung des Mindestlohnes unter den Nägeln brennen, wurde auch in den Gesprächen am Rande deutlich. „Heute hätte ich eigentlich meinen Ruhetag“, so Cornelius Ebner, Hirschenwirt aus Birndorf. „Stattdessen musste ich stundenlang im Büro sitzen, um die Arbeitszeiten meiner Mitarbeiter zu dokumentieren.“ Als schockierend empfand er auch die angekündigten Kontrollen und Geldbußen, die bis zu 30 000 Euro reichen. Das bestätigte auch Hermann Pfau: „Über 7000 Beamte sind ab Januar im Einsatz, um unsere Dienstpläne zu prüfen. Wenn ein Verstoß gegen die Arbeitszeitregelung zu erkennen ist, wird es richtig teuer.“

Als weitere Hürde nannte Pfau die seit 13. Dezember geltende Deklarationspflicht für zahlreiche Allergene. „Viele Gastronomen sind total verunsichert“, sagte er. „Sie fragen sich, ob kreatives Kochen mit frischen Produkten in Zukunft überhaupt noch möglich ist.“ Als weiteres Handicap bezeichnete er die Einhaltung der gesetzlich festgelegten Arbeits- und Ruhezeiten. „Wie soll das in unserer Branche mit den unterschiedlichen Öffnungszeiten funktionieren?“, fragte er. „Es geht uns um flexible Regelungen, nicht um starre Vorschriften.“ Stellvertreter Thomas Zimmermann, Pächter der Brauereigaststätte Waldhaus, erklärte: „Vieles, was da neu geregelt wurde, geht mir nicht in den Kopf.“Für die meisten Betriebe sei das ein unlösbares Problem, weil sie aufgrund der Auslastungsschwankungen gar nicht in der Lage seien, die neuen Regelungen einzuhalten.

Pfau beklagte auch die zunehmende Akademisierung an den Schulen, zu Lasten der dualen Ausbildung, das jahrzehntelang als Erfolgsmodell deutscher Bildungspolitik galt. „Inzwischen macht es fast keinen Sinn mehr, einen Ausbildungsplatz anzubieten, weil sich keiner mehr bewirbt.“ MdB Thomas Dörflinger versprach, eine neue Initiative für mehr Flexibilität auf den Weg zu bringen. „Ob dabei unser Koalitionspartner mitspielt, das kann ich allderdings nicht garantieren.“ MdL Felix Schreiner bestätigte die Tatsache, dass als Folge der neuen Bildungspolitik eine Schwächung des dualen Systems in Gang gekommen sei. Als Vorsitzender des Arbeitskreises für Tourismus werde er jedoch versuchen, künftig die Belange der Gastronomie stärker in den Mittelpunkt zu rücken.

Quelle / Bildnachweis: Südkurier vom 22. Januar 2015, Manfred Dinort

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